Andreas S. Hennig

Um eines vorweg zu nehmen: Nachfolgende Zeilen sind keine Kritik an der Tagung, ihren Organisatoren und allen Beteiligten. Am Ablauf der drei erlebnisreichen Tage gibt es nichts auszusetzen. Jeder gab sich Mühe, um für alle interessierten SchildkrötenhalterInnen Hörens- und Sehenswertes zu bieten.

Erlebnis Eurohotel – oder „Tausche Bon gegen Gulaschsuppe“

Wieder lud die AG Schildkröten der DGHT zu einer Jahrestagung, ohne Zweifel ein Highlight für viele Schildkrötenliebhaber. Die gute Organisation und ebensolche Referenten bescherten wieder eine informative und rundum gelungene Veranstaltung, die den Teilnehmern noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Allerdings trug das Tagungslokal nicht immer etwas dazu bei:

Seit 5.30 Uhr auf den Beinen, machten die lange Anreise und die Abstecher zum Düsseldorfer Aquazoo und zu einer nicht empfehlenswerten Zoohandlung in Bergisch Gladbach doch schon sehr hungrig, als wir gegen 18.00 Uhr im Tagungshotel ankamen. Nach freundschaftlicher Begrüßung durch bereits anwesende Schildkrötenfreunde nahmen wir an der Rezeption unsere Zimmerschlüssel entgegen und ließen uns von der Empfangsdame erstmal in die falsche Richtung schicken (Und ich dachte immer, dass Hotelangestellte wissen, wo die Gästezimmer sind...?). Mein Kehle lechzte nach einem kühlen Bier und mein Magen nach einem schönen Essen, also führte kein Weg am Restaurant vorbei. Im Nachhinein betrachtet, wäre ich wohl besser vorbeigelaufen... Also schnell das Bier bestellt und die Speisekarte mit gierigen Augen durchpflügt: Die erste Seite war zwar mit dem Vermerk „Schildkrötentagung“ betitelt, doch waren die „Messer-und-Gabel-Speisen“ jenseits der 20-DM-Grenze angesiedelt und stifteten zum Weiterblättern an. Und siehe da, ein paar Seiten weiter war ein schönes Schnitzel für 14,50 DM gefunden! Die Kellnerin erkundigte sich nach unserem Essenswunsch und quittierte selbigen mit zögerndem „Sie gehören doch zur Tagung, da können Sie nur aus der ersten Seite wählen!“ Wir äußerten Unverständnis und sahen zu, wie die Kellnerin Verstärkung in Form ihrer Kollegin holte. Auch diese berichtigte unseren Wunsch: „Sie können nur aus der ersten Seite der Speisekarte bestellen, die anderen haben keine Gültigkeit!“ Auf meine Frage, was denn wäre, wenn ich ein stinknormaler Besucher der Gaststätte wär und keinen Bezug zur Tagung hätte, bekam ich nur zur Antwort „Es ist nichts anderes da, nur das, was auf der ersten Seite steht!“ Nun war der Zeitpunkt gekommen, an dem die Augen der Kellnerin den ersten Mordanschlag auf mich verübten, doch konnte ich mein Leben mit dem Bestellen einer Gulaschsuppe retten. Das Bezahlen gestaltete sich auch nicht wie gewohnt. Bargeld war „out“, man verlangte nach Bons... Also wieder zur Rezeption, um sich belehren zu lassen, dass man das Essen weder auf Zimmerrechnung schreiben lassen noch bar bezahlen konnte. Man kam nur in den Genuss der Bons (früher in der Schule nannte man das noch Essenmarken), wenn man Bargeld über den Tresen schob (DDR-Bürger erinnern sich sicher noch an die Forumschecks...). Erst auf Nachfrage räumte die Empfangsdame ein, nicht eingelöste Bons wieder zurücktauschen zu können. Als glücklicher Besitzer dieser kleinen gelben Bons im Wert von 2,50 DM pro Abschnitt war man nun wieder ein akzeptierter Mensch, dessen Gegenwart vom Personal wieder gern gesehen wurde.

Ein weiteres Problem zeigte sich in den doch manchmal holprigen Sprachkenntnissen der Bedienung. Bestellte man ein Pils, wurde zunächst grundsätzlich Kölsch gebracht, wahrscheinlich bestand die Brauerei auf ein gewisses Absatzniveau, das das Hotel in die Zwangslage des zwanghaften Kölsch-Zwangsausschankes zwängte. Preiswerter und auch schmackhafter fanden viele Tagungsteilnehmer inzwischen das angebotene Weizenbier, nur dass auch – trotz des Hinweises auf „großes Bier“ – gelegentlich erstmal ein Zwergenglas mit 0,2 l Kölsch gebracht wurde... Erschwerend wirkte sich am Samstagabend noch aus, dass die Information „Das Weizenbier ist alle!“ wie eine Bombe einschlug. Meine geschwächten Geschmackszellen wurden also weiterhin mit dem herkömmlichen Bier und dem alternativen Mineralwasser gefüttert...

Sonntagmorgen sollten bis 10.00 Uhr die Zimmer geräumt werden, also Sachen gepackt (einschl. die erworbenen Schildkröten...) und ab zur Rezeption, um das Zimmer zu bezahlen. Das folgende Gespräch des noch vor mir rechnungsbegleichenden Tagungsteilnehmers ließ mich frohlocken, dass in meinem gebuchten Einzelzimmer auch wirklich nur ein einzelnes Bett stand:

„Warum berechnen Sie mir ein Doppelzimmer?“

Weil Sie in einem Doppelzimmer geschlafen haben.

„Ich habe aber nur ein Einzelzimmer gebucht. “

Das macht nichts, Sie haben ein Doppelzimmer genutzt.

„Bei meiner telefonischen Buchung habe ich klar gesagt, dass ich ein Einzelzimmer benötige. Eine eventuelle Unterbringung in einem Doppelzimmer wurde mit der Bemerkung bestätigt, dass natürlich nur – wie üblich – ein  Einzelzimmer berechnet wird. “

Mit wem haben Sie gesprochen – mit einem Mann oder einer Frau?

„Zuerst mit einem Mann, dann mit einer Frau. “

Na gut – dann will ich Ihnen das mal glauben. Da ich aber bereits den vollen Betrag mit Ihrer Kreditkarte abgebucht habe, gebe ich Ihnen den Differenzbetrag in bar zurück.

Anderen doppelzimmerbelegenden Einzelzimmerbuchern ging es auch so, bis ein Leitungsmitglied der AG eine grundsätzliche Klärung herbeiführte.

Allen Erlebnissen zum Trotz war die Tagung gelungen, alle Organisatoren und Teilnehmer trugen ihren nicht unwesentlichen Teil dazu bei.

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