Andreas S. Hennig

Beitrag aus dem Jahr 2000:

Schildkröten im Tierpark Berlin

Der weiträumige Tiergarten in Berlin-Friedrichsfelde zeigt neben einer stattlichen Anzahl (sowohl hinsichtlich Artenvielfalt als auch Größe der Gruppen) an Säugetieren und Vögeln auch interessante Schauanlagen mit Reptilien und Amphibien. Letztere sind z. B. mit Tomatenfröschen, Aga-Riesenkröten oder auch Axolotls vertreten. Die Reptilien werden durch faszinierende Tiere wie beispielsweise Beulenkrokodile, Sunda-Gaviale, Bindenwarane, Pantherchamäleons, Dornschwanzagamen, Blutpythons, Regenbogenboas, Speikobras, Kupferköpfe und Königsnattern vertreten. Interessant für die Schildkrötenliebhaber sind natürlich die gezeigten Land- und Wasserschildkröten.

Zunächst entdeckt man eine Freilandanlage für Panther- (Stigmochelys pardalis), Sporn- (Centrochelys sulcata) und Seychellen-Riesenschildkröten (Dipsochelys sp.). Vor dem Eingang zum Terrarienhaus, der sogenannten „Schlangenfarm“, befindet sich ein Freilandterrarium mit seinem großzügigen Teich. Der Name „Schlangenfarm“ erklärt sich aus der überaus großen und berühmten Schlangenkollektion des Tierparks. Im Teich befanden sich zum Zeitpunkt meines Besuches (Juni 2000) etwa 70 Rot- und Gelbwangen-Schmuckschildkröten (Trachemys scripta elegans und T. s. scripta). Es wird sich wohl bei allen Exemplaren um Abgabetiere handeln, deren Besitzer ihrer überdrüssig wurden. Teich und Ufer waren sehr gut strukturiert und boten den Schmuckschildkröten ein annehmbares Sommerquartier. Der Landteil des Freilandterrariums ermöglichte den ansonsten im Haus gehaltenen Landschildkröten wie Köhler- (Chelonoidis carbonaria, sehr schöne „Rotköpfe“) und Pantherschildkröten (Stigmochelys pardalis) einen vorübergehenden Aufenthalt im Freien.

Im Terrarienhaus sind weitere Arten in zum Teil vielköpfigen Gruppen zu sehen. Gezeigt werden tropische Landschildkröten wie Ägyptische Landschildkröten (Testudo kleinmanni, sehr schön gezeichnet), Spaltenschildkröten (Malacochersus tornieri, vergesellschaftet mit Schildechsen – Gerrhosaurus major), Strahlenschildkröten (Astrochelys radiata), Argentinischen Landschildkröten (Chelonoidis chilensis) und Sternschildkröen (Geochelone elegans).

Noch artenreicher sind die präsentierten Wasser- und Sumpfschildkröten. Zu sehen sind u. a. eine zehnköpfige Cuora-flavomarginata-Gruppe (Gelbrand-Scharnierschildkröte) und eine noch etwas größere Gruppe Cuora amboinensis (Amboina-Scharnierschildkröte). In kleineren Gruppen oder als Einzeltiere werden u. a. noch gezeigt: Rotwangen-Klappschildkröten (Kinosternon scorpioides cruentatum), Rotbauch-Spitzkopfschildkröten (Emydura subglobosa, allerdings in recht kleinem Wasserbecken), Große Kreuzbrustschildkröte (Staurotypus triporcatus), Fransenschildkröten (Chelus fimbriatus), Chinesische Dreikielschildkröten (Chinemys reevesii), Dreizehen-Dosenschildkröten (Terrapene carolina triunguis), Mississippi- und Falsche Landkarten-Höckerschildkröten (Graptemys kohnii und G. pseudogeographica, wobei im gleichen Becken auch ein G.-ouachitensis-Männchen zu sehen war...) und als Seltenheit eine Nackendornen-Weichschildkröte (Palea steindachneri, sie lebt seit 1960 im Tierpark!).

Verlässt man das Gebäude, bietet sich natürlich eine Besichtigung des benachbarten Kolibri-Krokodil-Hauses (im Prinzip ein überdimensionales Gewächshaus) an. Vorbei an einem weiteren Freilandterrarium (wieder mit Teich), das die Schildkröten des Krokodilhauses über eine kleine Verbindungstür betreten können, erreicht man den ersten Abschnitt des Hausinneren. Hier entdeckt man verschiedene Europäische Landschildkröten und wiederholt ca. 70 Schmuckschildkröten. Wer genau hinschaut, wird in der unüberschaubaren Menge sich sonnender Rotwangen-, Gelbwangen- und Hieroglyphen-Schmuckschildkröten (Pseudemys concinna) noch einige andere Arten entdecken (ein gutes Teleobjektiv oder ein kleines Fernglas sind jedoch notwendig). Der zweite Abschnitt des Tropenhauses bietet noch einige Krokodile in anspruchsvoller Artenzahl.
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