Andreas S. Hennig

Symposium in Norrköping, Schweden

Auf Einladung der schwedischen Organisationen THE BOA GROUP und Tropikföreningen ALBA nahm ich als Referent am Symposium 2007 in Norrköping (Schweden) teil. Beschäftigt sich die zuerst genannte Vereinigung mit den Amphibien und Reptilien in Natur und Menschenobhut, schließt ALBA auch Tierfreunde wie die Vogelhalter ein.

Am Freitag, den 09.11.2007, wurden meine Reisebegleiterin und ich vom Vorsitzenden der BOA GROUP, Anders Wahlström, auf dem Flughafen Stockholm-Arlanda Airport in Empfang genommen. Gemeinsam mit dem kurze Zeit später eintreffenden Lee Grismer von der kalifornischen La Sierra University wurden wir zum etwa 160 km entfernten Norrköping gefahren. Dort trafen wir zum gemeinsamen Abendessen mit Bengt Ydebäck, dem ALBA-Vorsitzenden, und den weiteren Vortragenden, Richard Wahlgren aus Schweden und Ian Stephen vom Zoo London, zusammen. Die insgesamt vier Referenten sollten das Vortragsprogramm der kommenden zwei Tage gestalten. Während auf vergleichbaren Tagungen in Deutschland meist jeder Referent je einen Vortrag hält und es auch in der Mehrzahl Vortragende aus dem eigenen Lande sind, zeichnet sich das Symposium in Norrköping dadurch aus, dass wenige Redner – überwiegend aus dem Ausland – das gesamte Vortragsprogramm gestalten. So wurden in der Vergangenheit beispielsweise Peter C. H. Pritchard (USA), David Fabius (Uruguay), Gunther Köhler (Deutschland) oder auch Indraneil Das (Indien) eingeladen.

Mit Ausnahme des schwedischen Referenten war die Tagungssprache Englisch. Dennoch war der Veranstaltungsraum bei jedem Vortrag bis auf den letzten Platz besetzt. In der Mehrzahl bestand das Publikum aus schwedischen Amphibien- und Reptilienliebhabern. Aber auch Terrarianer aus Norwegen nahmen eine rund achtstündige Anreise auf sich. Dachte ich kurz vor Veranstaltungsbeginn am Samstag noch, dass sich nur recht wenig Publikum einfinden würde, strömten pünktlich zwei Minuten vor dem ersten Vortrag die Zuschauer in den Saal; ebenso geordnet und geschlossen bei allen weiteren Vorträgen. Überhaupt war die gesamte Organisation des Symposiums sehr gut. Jeder Teilnehmer hatte zudem die Möglichkeit, eine Broschüre mit ausführlichen Zusammenfassungen – zweisprachig in Schwedisch und Englisch – zu erwerben. Auch meine im Vorfeld der Tagung eingereichten englischen Texte wurden ins Schwedische übersetzt. So lautet beispielsweise der Titel meines Vortrages über die Haltung und Vermehrung von McCords Schlangenhalsschildkröte: „Hållande och avel av McCord´s ormhals-sköldpadda Chelodina mccordi Rhodin, 1994“. In den Pausen gab es genügend Zeit für Gespräche, am Samstagnachmittag auch zum Besuch der in der Nähe stattfindenden Reptilienbörse. Dort dominierten Nachzuchtangebote von Leopardgeckos (inkl. Farbzuchten) und Schlangen (mehrheitlich Boa constrictor). Es blieb auch Zeit für einen Rundgang durch die Stadt Norrköping mit ihrer beeindruckenden Industriearchitektur.

Der Samstagabend wurde im Veranstaltungshaus als geselliger Abend gestaltet. Das gemeinsame Abendessen mit allen Teilnehmern bot Gelegenheit für viele Gespräche. Begleitet wurden diese von einer unterhaltsamen Verlosungsaktion. Interessant war für mich beispielsweise die Unterhaltung mit einem norwegischen Reptilienfreund, der mir von den Problemen in seinem Heimatland berichtete – denn dort existiert ein generelles Reptilienhaltungsverbot. Fortgesetzt werden konnte der Abend später noch in den Restaurants der Norrköpinger Innenstadt.

Die Vorträge des Symposiums im Einzelnen: Lee Grismer aus dem kalifornischen Riverside berichtete zunächst über die Herpetofauna des Seribuat-Archipels in West-Malaysia. In zahlreichen Fotos stellte er die dort lebenden Amphibien- und Reptilienarten vor. Ebenfalls reich bebildert war sein zweiter Vortrag, der sich mit der Vielgestaltigkeit der Herpetofauna der südlichen malaysischen Halbinsel beschäftigte. Seine Forschungsreise in die Cardamom-Berge, Kambodscha, stand im Mittelpunkt des dritten Vortrages. Richard Wahlgren aus dem schwedischen Lund informierte ausführlich über den Begründer der modernen Taxonomie: Carl von Linné (Linnaeus). Der erste Vortrag von Ian Stephen drehte sich um die Haltung und Vermehrung des Komodowarans (Varanus komodoensis) an seiner Arbeitsstätte, dem Zoo London. Die weltweite „Amphibienkrise“ und die Aktivitäten des Londoner Zoos und der Zoological Society of London standen im Mittelpunkt seines zweiten Beitrages. In der dritten Präsentation berichtete er von den Ergebnissen einer mehrjährigen Felduntersuchung im kolumbianischen Teil des Amazonas. Meine Vorträge beschäftigten sich mit der McCords Schlangenhals- (Chelodina mccordi) und der Rotbauch-Spitzkopfschildkröte (Emydura subglobosa subglobosa), jeweils mit deren Entdeckung, Systematik, Verbreitung, Habitaten, Haltung, Ernährung, Vermehrung und Aufzucht.

Auch der Sonntag bot wieder Gelegenheit zu vielen Gesprächen zwischen allen Teilnehmern. Kontakte wurden geknüpft, u. a. zum Redakteur der Snoken – die Zeitschrift der Sveriges Herpetologiska Riksförening (Schwedische Herpetologische Gesellschaft). Nach dem Ende der Tagung wurden wir wieder von Anders Wahlström zurück nach Stockholm gefahren.

Das alljährlich stattfindende Symposium in Norrköping ist eine gelungene Veranstaltung der schwedischen Organisationen ALBA und BOA GROUP. Wer sich nicht allein für Schildkröten, sondern auch für andere Reptilien und für Amphibien interessiert, findet hier eine sehr interessante Veranstaltung mit sehenswerten Vorträgen und engagierten Tierfreunden.

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